[Gelesen] Six Stories

Kriminalfälle faszinieren – vor allem, wenn es sich um ungelöste Fälle handelt. In Matt Wesolowskis Thriller Six Stories steht eben solch ein ungelöster Fall aus den Neunzigern im Vordergrund: Ein Jugendlicher verschwindet bei einem Ausflug, ein Jahr später wird sein Leichnam gefunden. Was ist mit Tom Jeffries geschehen? Gut zwanzig Jahre später spricht der Podcaster Scott King mit den Personen, die in den Fall involviert waren. Jeder erzählt ihm seine Sicht auf die Dinge, jede Geschichte entspricht dabei später einer Podcastepisode. Nach und nach ergibt sich so über sechs Episoden hinweg ein Bild der Ereignisse, und es ist am Zuhörer bzw. Leser, seine eigene Meinung zu bilden. War es ein Mord? Unfall? Selbstmord? Oder vielleicht etwas Widernatürliches?

Welcome to Six Stories. I’m Scott King. In the next six weeks, we will be looking back at the Scarclaw Fell tragedy of 1996. We’ll be doing so from six different perspectives; seeing the events that unfolded through six pairs of eyes. Then, as always, it’s up to you. | Seite 7-8

Six Stories erinnert in seinem Format an bekannte Podcasts wie Serial, S-Town oder Up and Vanished, was sich gerade in der Hörbuchfassung gut zeigt: Hier wird jeder Charakter von einem anderen Sprecher gesprochen. King ist unser roter Faden und hilft, die Ereignisse und Aussagen in die richtige Reihenfolge zu bringen. Er lässt seine Interviewpartner viel sprechen, stellt nur an manchen Stellen Nachfragen. Und was zuerst wie ein simpler Fall aussieht, entpuppt sich dann doch schnell als ein großes Geflecht an widersprüchlichen Aussagen und Eindrücken.

Ich höre sehr gerne die Art von Podcasts, die Wesolowski hier als Vorbild gedient haben, und fand die Herangehensweise für diesen Thriller daher unglaublich faszinierend. Natürlich handelt es sich hier um eine fiktive Geschichte und es gibt den Ort Scarclaw Fell in Northumberland überhaupt nicht, aber die Geschichte ist so gut aufbereitet, dass es trotzdem glaubhaft und realistisch wirkt. Jeder Charakter unterscheidet sich allein sprachlich voneinander und im Laufe der Episoden kommen immer wieder Wendungen, mit denen man nicht rechnet. Gerade die letzten Episoden haben es dabei absolut in sich und Gänsehautpotential.

Der Charme von Six Stories liegt klar in der Aufbereitung als Podcast, wobei man als Leser nicht zwingend dieses Format im voraus kennen muss: Es liest sich teilweise wie eine Art Interview, wobei natürlich durch die Hörerschaft und die Rolle von Scott King ganz andere Konsequenzen für die involvierten Personen auftreten. Ende der Neunziger war das Internet noch nicht so groß wie heute und ein Fall wie der von Tom Jeffries hat zu dem Zeitpunkt nicht die gleichen Wellen geschlagen, wie es heutzutage der Fall wäre.

Six Stories ist vielleicht in den ersten Episoden noch etwas zu gradlinig, aber da jede Episode auf die vorangegangene aufbaut, ist das zu verschmerzen. Es ist etwas herrlich neues im Thrillerbereich und ich bin jetzt schon sehr gespannt auf den nächsten Fall in Hydra, welches im Januar 2018 erscheint.

Matt Wesolowski: Six Stories

Before the events of 1996, Scarclaw Fell was largely unknown. And today, most people have forgotten its name once more […]. Most people have forgotten the name Tom Jeffries too. Maybe that’s about to change. | Seite 7


BUCHDETAILS | ANZEIGE

Verlag: Orenda Books
ISBN: 9781910633625
Erscheinungsdatum: 30.03.2017
Bewertung: 5/5

[Rückblick] Oktober 2017

Trotz einiger freier Tage habe ich im Oktober ziemlich wenig gelesen. Die Arbeit und diverse Termine haben der Lesezeit einen ordentlich Dämpfer versetzt, und ohne Hörbücher hätte ich drei Titel diesen Monat überhaupt nicht unterbringen können. Das wurmt mich etwas, weil aktuell wirklich so einiges an tollen Büchern im Regal wartet… aber es kann theoretisch ja im November jetzt nur besser werden, oder? Und zumindest konnte ich so zu einigen Titeln bereits etwas schreiben. Über den Blog und meine Wenigkeit wurde im Oktober übrigens auch etwas geschrieben: Die liebe Anna von Passion4Books hat meinen Blog vorgestellt, wofür ich ihr einige Fragen beantwortet ab. Den Beitrag findet Ihr H I E R. Vielleicht mögt Ihr bei Anna ja noch etwas stöbern? Aktuell läuft unter anderem die Aktion Weihnachtsengel bei ihr, wo Ihr mit Euren Geboten nicht nur tolle Bücher ersteigern, sondern auch etwas Gutes tun könnt.

Höhepunkt: Six Stories
Tiefpunkt: Feedback
Hörbücher:
 Der Club der toten Monster | Six Stories | Feedback
Gelesene Seiten: ca. 3.920
Ø Bewertung: 3,83 / 5 

Diesen Monat habe ich die „mal im Buch, mal im Hörbuch, mal beides gleichzeitig“-Leseoption für mich entdeckt: Six Stories habe ich fast durchweg gehört und parallel im eBook mitgelesen. Dieses Buch hatte ich gar nicht auf dem Radar und war nur zufällig drüber gestolpert – und dabei ist das genau meins! Dazu wird aber noch ein eigener Beitrag kommen. Bei Feedback dagegen ging es einfach nicht im Buch vorwärts. Eine Freundin hat mir dann dankenswerterweise das Hörbuch ausgeliehen und Georgia Dolenz liest die Geschichte wirklich toll! Leider war es das schwächste Buch der Serie und konnte mich kaum begeistern… aber zumindest ein paar bekannte Gesichter tauchen wieder auf und mit Mat gibt es einen Charakter, der genderfluid ist.

Mit Der Club der toten Monster habe ich das nächste Abenteuer von Owen Pitt gehört: Ich mag die Charaktere und den Humor sehr gerne, aber die Geschichte braucht recht lange, bevor es losgeht. Correia rekapituliert den ersten Band nochmal recht ausführlich, was natürlich nervt, wenn man diesen gerade erst gehört bzw. gelesen hat.

Zu The Complete Double Dead habe ich bereits ausführlich H I E R geschrieben: Das Buch hat mich ebenso begeistert wie die Apocalypse Now Now Dilogie von Charlie Human. Die drei Bücher haben einfach perfekt in den Oktober gepasst mit ihren Übernatürlichen Charakteren und den Urban Fantasy Elementen.

Rückblick Oktober 2017
Zusammensetzung: 8 Printbücher; 3 Hörbücher; 1 Comic

In einer Leserunde habe ich The Blind Assassin über den Monat gelesen, was definitiv geholfen hat: Es ist ein tolles Buch mit vielen Denkanstößen über das Leben zweier Schwestern in Kanada, in dem sehr viel drinsteckt. An einigen Stellen ist man aber schon verleitet, dass Buch erstmal wieder auf unbestimmte Zeit zur Seite zu legen… Die Einschübe aus dem Roman der einen Schwester verwirren anfangs einfach zu sehr, bevor Atwood nach und nach alle Stränge zusammenlaufen lässt.

Dann trudelten noch zwei neue Assassin’s Creed Titel ein, yay! Der erste Sammelband von Uprising, Common Ground, hat super viel Spaß gemacht und ich musste auch direkt einige der nächsten Hefte digital lesen. Bis Februar dauert es einfach noch viel zu lange… Es ist herrlich zu sehen, wie die beiden Gruppierungen zur Abwechslung mal einen gemeinsamen Feind haben, und kurzzeitig das Kriegsbeil begraben müssen. Desert Oath, der neue Roman von Oliver Bowden, ist die Vorgeschichte zu Assassin’s Creed Origins: Sicher kein Buch, dass einem viel gibt, außer man möchte im Anschluss auch das Spiel erkunden, aber als Vorgeschichte macht es seine Sache gut. Bayek und Aya sind einfach toll, und ich freue mich, dass ich noch einiges an Spielstunden mit den Beiden jetzt vor mir habe.

Alle verschlungenen Titel des Monats:
Heidi Priebe: This Is Me Letting You Go Bewertung: 4/5 | Eindruck
Charlie Human: Apocalypse Now Now – Schatten über Cape Town Bewertung: 4/5
Chuck Wendig: The Complete Double Dead Bewertung: 4/5 | Beitrag
Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher Bewertung: 3/5 | Eindruck
Alex Paknadel; Dan Watters; Jose Holder: Assassin’s Creed: Uprising, Vol. 1: Common Ground Bewertung: 5/5 | Eindruck
Marc-Uwe Kling: QualityLand Bewertung: 5/5 | Eindruck
Charlie Human: Kill Baxter – Showdown in Cape Town Bewertung: 4/5
Margaret Atwood: The Blind Assassin Bewertung: 4/5
Larry Correia: Der Club der toten Monster Bewertung: 3/5
Matt Wesolowski: Six Stories Bewertung: 5/5
Oliver Bowden: Assassin’s Creed Origins: Desert Oath Bewertung: 3/5
Mira Grant: Feedback Bewertung: 2/5 

“Es kommt nicht darauf an, was auf der Bühne geschieht. Sondern darauf, was das Unsichtbare Theater in deinem Kopf veranstaltet.” ― Walter Moers: Das Labyrinth der Träumenden Bücher